Charakterisierung der Figuren in »Der kleine Prinz«

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Die Rose

»Ich habe Probleme mit einer Blume«, erklärt der kleine Prinz der Schlange seine Anwesenheit auf der Erde. Diese ›Probleme‹ haben ihn zur Flucht von seinem Planeten bewogen. Seine Blume ist der Anlass seiner Reise und seine Rose ist der Reise Ziel. Erst im 20. Kapitel lernt er voller Schmerz – beim Besuch des Rosengartens – ihr äußeres Wesen als Rose einzuordnen und glaubt sie nach bloßem Augenschein als eine Rose von tausenden. Er fühlt sich von ihr belogen, denn sie hatte behauptet, einzigartig zu sein. Das lässt ihn vollends verzweifeln und er weint. Das Wesen von Liebe und Freundschaft hatte sich dem kleinen Prinzen noch nicht erschlossen.

Wie der Samen seiner Rose auf seinen Planeten gekommen ist, ist unklar. Als sie Wurzeln trieb und einen zarten Spross entwickelte, wurde ihm ihre besondere Erscheinung sofort klar. Er beobachtet sie sorgsam. Seine Angst, es könnte sich um eine neue Art von Affenbrotbaum handeln, blieb unbegründet. Aus dem Strauch ging eine große grüne Knospe hervor, in der sich mit aller Gewissenhaftigkeit ein Blüte herausbildete. »Sie wählte ihre Farben mit Sorgfalt, sie zog sich langsam an, sie ordnete ihre Blütenblätter eins nach dem anderen.« Es dauerte Tage, bis sie sich eines Tages beim Aufgang der Sonne entfaltete und den kleinen Prinzen mit ihrer ganzen Schönheit überwältigte. Er ergibt sich ihr und umsorgt sie. Er gießt sie und will sie schützen. Doch sie begegnet ihm wenig tugendhaft. Sie ist wenig bescheiden, stolz, launig und spitzfindig. Mit ihrer »scheuen Eitelkeit«, mit ihrer übertriebenen Empfindsamkeit und ihrem Hang zu Unehrlichkeit drangsaliert sie den kleinen Prinzen im gemeinsamen Alltag, was ihn, der zu viel auf ihre Worte achtet, verstört und unglücklich macht. Dass sie ihn liebt, hatte sie ihm vorenthalten. So entschließt sich der kleine Prinz, sie und seinen Planeten zu verlassen. Erst im Augenblick seines Abschieds gesteht sie ihm ihre Gefühle. Sie zeigt sich aufrichtet, zärtlich, gefühlvoll und sanftmütig und öffnet ihm hierdurch alle Türen für seine Rückkehr.

Auf seiner Reise lernt der kleine Prinz, dass er sie wirklich liebt. Als er beim Geographen erfährt, dass sie ›vergänglich‹ und ›vom baldigen Verschwinden bedroht‹ ist, empfindet er Reue, dass er sie verlassen hat. Sein Verantwortungsgefühl erwacht. Doch bei den Rosen fühlt er sich zunächst von ihr hintergangen. Erst der Fuchs lehrt ihm das Geheimnis von Freundschaft und Liebe. Er versteht nun die Bedeutung des ›Zähmens‹. Er weiß nun: »Es gibt eine Blume … ich glaube, sie hat mich gezähmt.« Der Fuchs lehrt ihm, die Einzigartigkeit seiner Rose zu verstehen, und er bestärkt ihn in seinem Verantwortungsgefühl: »Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich.« Er kehrt zu ihr zurück, den Weg dahin hat ihm die Schlange gewiesen. Ein wenig ängstlich geht er seinen letzten Schritt und lässt seinen Körper auf der Erde zurück, um zu ihr samt seinem neuen Freund, dem Schaf, zurückzukehren.

Der Fuchs

Der Fuchs wird zum Lehrer des kleinen Prinzen. Es ist eine herausragende Figur. Die gesamte Erzählung läuft auf die Begegnung zwischen beiden zu. Sie verändert den kleinen Prinzen und gibt ihm eine andere Richtung. Bereitwillig gibt der seine Erfahrungen an den kleinen Prinzen weiter. Er weiht ihn in die Weisheit seines Lebens ein.

Urplötzlich taucht der Fuchs auf, als die Verzweiflung des weinend auf der Wiese liegenden Prinzen am größten ist. Er verbirgt sich unter einem Apfelbaum, der kleine Prinz erkennt ihn nicht gleich, doch er findet ihn schön. Der Fuchs erweist sich als gesellig und verständnisvoll, intelligent und gewitzt. Großzügig nimmt er sich des kleinen Prinzen an. Die Menschen sind für den Fuchs alle gleich. Sie haben das Geheimnis vergessen, wie man sich Dinge vertraut macht. Im Konsumrausch hasten sie umher, doch Freundschaft muss wachsen, sie kann man nicht in Läden kaufen. Nur dass sie Hühner züchten, findet er gut. So lehrt der Fuchs dem kleinen Prinzen die Kunst des Zähmens, ein langwieriger Prozess, bei dem man gedultig sein und behutsam und diszipliniert vorgehen muss. Den Lehrsatz, »zähmen heißt sich vertraut machen« setzen sie gemeinsam in die Praxis um. Indem der kleine Prinz den Fuchs zähmt, löst er ihn aus der Anonymität der Masse der Füchse heraus. So wird er einzigartig. So schaffen sie eine Verbindung, bei der sie einander brauchen. Die Unterschiede zwischen ihnen verblassen. Und die gemeinsam verbrachte Zeit erlangt für beide eine Bedeutung. So lernt der kleine Prinz auch die Einzigartigkeit seiner Rose kennen.

Zum Schluss ihrer Begegnung verrät der Fuchs sein einfaches Geheimnis: »Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.« Und er lehrt auch Verantwortungsbewusstsein, denn er ist zeitlebens für das verantwortlich, was er sich vertraut gemacht hat.

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5 KOMMENTARE

  1. Der Alter des kleinen Prinzen wird nicht angegeben, wie alles das nicht, was unbedeutend ist. Denn es ist egal, wie jung oder alt, groß oder klein, schwierig oder einfach ist, wichtig ist, dass man mit dem Herzen sieht und das „Zähmen“ beherrscht.

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