Charakterisierung der Figuren in »Der kleine Prinz«

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Der Säufer

Kurz nach der Ankunft beim Säufer, taucht es den kleinen Prinzen schon in eine tiefe Schwermut. Es ist ein trauriges Bild, das der Säufer abgibt. Sein Gesicht glüht von seiner Sucht. Seine Haare sind zerzaust, der Bart struppig und sein Hut sitzt schief auf seinem Kopf. Er sitzt vor einer Reihe von vollen und einer Reihe von leeren Flaschen und ertränkt seine Trauer im Alkohol. Er hat sich rettungslos in einen Teufelskreis begeben und zeigt selbst keinerlei Anstrengung, daraus ausbrechen zu wollen. Er hat sich selbst aufgegeben. Er säuft um zu vergessen, dass er sich schämt, weil er säuft. Das macht ihn zum einsamsten Menschen der Welt.

Der Geschäftsmann

Der Geschäftsmann beansprucht für sich das Prädikat »ernsthaft«, dabei interessiert er sich für nichts anderes als für seine Zahlen. Den Besuchern seines Planeten begegnet der dicke, rotgesichtige Mann mit Hochmut und Desinteresse. Für ihn stellen sie nur Störenfriede dar, die ihn von seiner scheinbar ernsthaften, aber in Wahrheit sinnleeren Arbeit abhalten. Er beansprucht für sich das Privileg, die Sterne zu besitzen, weil er der erste Mensch war, der daran dachte, sie zu besitzen. Er zählt sie und »legt sie auf die Bank«. Doch eine Bedeutung haben die Sterne für ihn nicht. Er ist ein schnöder Verwalter, der »Reichtum« ansammelt, der niemandem nutzt, ihm nicht, anderen nicht und den Sternen auch nicht. Der Geschäftsmann denkt herzlos ausschließlich an seinen Profit. Als der kleine Prinz ihm berichtet, wie nützlich es für seine Blume und seine Vulkane ist, dass er sie besitzt, klappt dem Geschäftsmann nur ratlos das Maul auf, Worte findet er nicht.

Der Laternenanzünder

An und für sich hat der Laternenanzünder einen sehr nützlichen Beruf. Und wenn er eine Laterne anzündet, ist es, »als setzte er einen neuen Stern in die Welt, oder eine Blume.« Das macht seine Aufgabe sogar zu einer sehr schönen und poetischen dazu. Doch auf einem winzigen Planeten ohne Häuser, Straßen und Bewohner ist jede Straßenlaterne sinnlos. Dennoch folgt der Anzünder voller Diensteifer seiner Weisung, so absurd sie auch geworden sein mag. Von Jahr zu Jahr drehte sich sein Planet schneller. Nunmehr muss er in jeder Minute seine Laterne einmal anzünden und einmal löschen. So ist er zum Sklaven seiner Arbeitsanweisung geworden. Er handelt wie ein seelenloser Funktionär, er arbeitet wie eine Maschine und ist unfähig, zwischen Sinn und Sinnlosigkeit zu unterscheiden. Er ist auch unfähig, Änderungen herbeizuführen und Lösungsvorschläge anzunehmen. Doch durch seinen Diensteifer zeigt er auch, dass ihm Werte wie Disziplin, Treue und Ergebenheit etwas bedeuten. Genau deshalb kann sich der kleine Prinz auch vorstellen, ihn hätte als Freund gewinnen zu können.

Der Geograph

Der Geograph ist der Repräsentant einer sich selbst genügenden, kalten Wissenschaft. Zwar ist die Geographie ein sehr nützliches Fach, denn ein Pilot kann sich durch die Geographie sehr gut orientieren (und Arizona von China auf einen Blick unterscheiden). Doch sind die Methoden des Geographen mehr als zweifelhaft. Der graubärtige Wissenschaftler sitzt mit einer Lupe vor einem dicken Buch an einem Schreibtisch, den er nie verlässt. Selbst seinen eigenen Planeten kennt er nicht. Das Wissen, das er in den Geographie-Büchern einbringt, bezieht er von »Entdeckern«. Um die Wahrheit ihrer Aussagen zu prüfen, lässt er moralische Untersuchungen über die Entdecker anstellen und fordert Beweise von ihnen, die letztlich gar nichts beweisen. Das Leben hat er nicht kennengelernt, Schönheit interessiert ihn nicht. Auf seinen Karten sind nur die »ewigen Dinge« zu finden. Vergängliches schließt er aus seinem Denken aus. So bleibt die (Denk-)Welt des Geographen armselig und kreist nur um sich selbst.

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5 KOMMENTARE

  1. Der Alter des kleinen Prinzen wird nicht angegeben, wie alles das nicht, was unbedeutend ist. Denn es ist egal, wie jung oder alt, groß oder klein, schwierig oder einfach ist, wichtig ist, dass man mit dem Herzen sieht und das „Zähmen“ beherrscht.

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