17. Kapitel: Begegnung mit der Schlange

Übersetzung ins Deutsche von Alexander Varell

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Wenn man schlau erscheinen will, kommt man manchmal ins Prahlen. Ich war nicht ganz ehrlich, als ich euch von den Laternenanzündern erzählte. Ich könnte all jenen, die unseren Planeten nicht kennen, eine falsche Vorstellung von ihm geben. Die Menschen brauchen nur sehr wenig Platz auf der Erde. Wenn die zwei Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, sich ein wenig zusammengedrängt aufstellen würden, eben wie bei einem Volksfest, dann könnten sie leicht auf einem öffentlichen Platz von zwanzig Meilen Länge und zwanzig Meilen Breite unterkommen. Man könnte die ganze Menschheit auf der kleinsten Insel im Pazifik zusammendrängen.

Die großen Leute werden dies natürlich nicht glauben. Sie bilden sich ein, dass sie viel Platz benötigen. Sie nehmen sich so wichtig wie Affenbrotbäume. Man sollte ihnen raten, diese Berechnung zu tun. Sie vergöttern die Zahlen, das wird ihnen gefallen. Aber ihr sollt eure Zeit nicht mit dieser Aufgabe verschwenden. Es ist sinnlos. Vertraut mir.

Als der kleine Prinz auf die Erde kam, war er überrascht, niemanden zu Gesicht zu bekommen. Er hatte schon Angst, auf dem falschen Planeten gelandet zu sein, als sich ein Ring in der Farbe des Mondes über den Sand schlängelte.

Der kleine Prinz allein in der Wüste

  • »Guten Abend«, sagte der kleine Prinz höflich.
  • »Guten Abend«, sagte die Schlange.
  • »Auf welchen Planeten bin ich gefallen?«, fragte der kleine Prinz.
  • »Auf die Erde in Afrika«, sagte die Schlange.
  • »Oh! … Gibt es keine Menschen auf der Erde?«
  • »Hier ist die Wüste. Es gibt keine Menschen in der Wüste. Die Erde ist groß«, sagte die Schlange.

Der kleine Prinz setzte sich auf einen Felsen und blickte zum Himmel:

  • »Ich frage mich«, sagte er, »ob die Sterne leuchten, damit jeder seinen eigenen eines Tages wiederfindet. Sieh dir meinen Planeten an. Er steht direkt über uns … Aber er ist weit weg!«
  • »Er ist schön«, sagte die Schlange. »Was machst du hier?«
  • »Ich habe Schwierigkeiten mit einer Blume«, sagte der kleine Prinz.
  • »Ah!«, sagte die Schlange.

Und sie schwiegen.

  • »Wo sind die Menschen?«, durchbrach schließlich der kleine Prinz das Schweigen. »Es ist einsam in der Wüste …«
  • »Es ist auch bei den Menschen einsam«, sagte die Schlange.

Der kleine Prinz betrachtete sie eine lange Zeit:

  • »Du bist ein lustiges Tier«, sagte er schließlich, »so dick wie ein Finger …«
  • »Aber ich bin mächtiger als der Finger eines Königs«, sagte die Schlange.

Der kleine Prinz mit der Schlange in der Wüste

Der kleine Prinz lächelte:

  • »Du bist nicht besonders mächtig … Du hast noch nicht einmal Beine … Du kannst nicht einmal reisen …«
  • »Ich kann dich weiter bringen als ein Schiff«, sagte die Schlange.

Sie wickelte sich um den Knöchel des kleinen Prinzen wie ein goldenes Armband:

  • »Wen auch immer ich berühre, den schicke ich zu der Erde zurück, aus der er kam«, sagte sie noch. »Aber du bist rein, du kommst von einem Stern …«

Der kleine Prinz antwortete nicht.

  • »Du tust mir leid auf dieser Erde aus Granit, weil du so schwach bist. Ich kann dir eines Tages helfen, wenn du dich nach deinem Planeten zurücksehnst. Ich kann …«
  • »Oh! Ich habe sehr gut verstanden«, sagte der kleine Prinz, »aber warum sprichst du immer in Rätseln?«
  • »Ich löse sie alle«, sagte die Schlange.

Und sie schwiegen.

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